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Schräge Märchen

Schräge Märchen

Schräge Märchen

Es war einmal – ein richtiger Märchenabend……
Im Rahmen der „radio Texte – das offene Buch“ fand im Literaturhaus auf den Spuren der Brüder Grimm, die vor knapp 200 Jahren ihre Sammlung an Märchen und Erzählungen heraus brachten, eine Lesung statt. Wir lernten dabei, dass diese Erstausgabe zunächst nicht zum Renner wurde. Erst nachdem die beschriebenen Grausamkeiten durch die Autoren abgemildert wurden, etablierte sich das Sammelwerk als Bestseller. Wenn man den Angaben im Internet Glauben schenken darf: zum meist gelesenem Buch, gleich nach der Bibel!

Ob man sie nun selber liest – leise für sich oder laut für große und kleine Zuhörer – der Kampf zwischen Gut und Böse ist immer noch reichlich mit Grausamkeiten aller Art bestückt. Das muss man vertragen können…. Wenigstens aber ranken sich Rosen um die alten Schloßmauern, hinter denen schöne Maiden darben, böse Stiefmütter Auftragsmorde ausgeben, niederträchtige Wesen und gierige Könige verzweifelte Eltern oder deren Kinder erpressen und verschlungene Schicksale zueinander finden,. Ich persönlich empfinde die Grimmschen Märchen nicht als Einschlafhilfe oder Erziehungshelfer. Dafür gibt es wahrlich andere Lektüre. Märchen sind hoch spannend. Prall gefüllt mit Emotionen lösen sie eine Bilderflut im Kopf aus, der man gewachsen sein sollte. Kleine Kinder mit den Schauerlichkeiten allein zu lassen, ist unverzeihlich. Es bedarf ein feines Gespür der Vorleser, wann die Zeit für welche Märchen reif ist.und vor allem, – für wen sie passen.
Mit Kindern gemeinsam in den Zauber der fremden Welten eintauchen, am Schicksal der Figuren teil zu nehmen und sich über ein „glückliches“ Ende zu freuen, das bringt allen etwas.
Man kann Bezüge zur Gegenwart herstellen oder andere Enden erfinden. So wie es alter Brauch ist, weil Märchen ja ursprünglich tatsächlich nur von Mund zu Mund gingen. Geschichten aus uralter Zeit erhielten damit – durchaus grenzüberschreitend – neue, fremde und zeitgemäße Einfärbungen.

Geladen war eine Runde von sieben, preisgekrönten Autoren_innen, die ihre Interpretationen von Märchen vorlasen. Wir hörten die düster-heitere Erzählung vom „Mädchen ohne Hände oder: Wie Rada ihr Glück fand“, gefolgt von einem „vielarmig“ ergreifenden Märchen mit dem Titel „Henkerslos“. Kerstin Spechts schwermütigen „Der Turm und die Haare“ und Uwe Timms spannenden „Gang durch die Trümmer“. Die gesamte Lesung wurde aufgenommen und wird in Abschnitten am 9., 16. und 23. Dezember jeweils um 11:00 Uhr auf Bayern 2 gesendet.
Der Autor und Journalist Herr Raj Kamal Jha aus Indien, brachte die Wirkung von Märchen für mich am besten auf den Punkt. Er meinte:
Wir alle hören „Du sollst nicht!“ so oft in unserem Leben. Es wäre einfach schön, mal wieder Geschichten zu hören, die mit „Es war einmal… beginnen würden. Besonders hätte ihm damals, als er studierte und als erstes, nicht englisches Buch, eine Ausgabe der Grimmschen Märchen bearbeitete, die Geschichte des Froschkönigs gefallen. Er habe für sich später fest gestellt, dass alle Liebesgeschichten irgendwie eine Abwandlung dieses Märchens seien. Dies habe ihn für das Märchen vom „Kakerlaken Prinz“ inspiriert.
Hr. Kamal Jha begann in englischer Sprache den Anfang vorzulesen. Übernommen hat dann der Schauspieler Hans Kremer und dieses moderne, indische Märchen auf Deutsch vorgetragen. Hervorragend!

Wer also „The Cockroach Prince“ erzählt bekommen mag, der sollte am 3. Adventssonntag, den 23. Dezember von 11:00 bis 11:30 Uhr dem Radio lauschen!

© Enomys

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