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Trachtenzug und Wiesenbummel

Trachtenzug und Wiesenbummel

Trachtenzug und Wiesenbummel

Ganz München hat sich wieder mal in Schale geschmissen. Fähnchen an den Trambahnen und Blumendeko am Bierwagen. Die Stadt erlebt am ersten Wiesnwochenende jedes Jahr einen Besucherandrang der seines gleichen sucht – klar, beim weltgrößten Volksfest wollen entsprechend viele Menschen dabei sein. Hier ist das Original! Alles andere sonstwo ist nur ein billiger Abklatsch.

Beim Trachtenumzug kann man, neben den Bierwägen, echte bayerische Originale bestaunen.
Die Menschen, die hier dabei sind, zeigen die alten Trachten, Traditionen, Waffen und Schnurrbärte. Das, was damals wirklich von den Landleuten getragen wurde – quer durch die Epochen. Vom Münchner Kindl angeführt, winken, tanzen, musizieren und jauchzen sie sich ca. sechs Kilometer lang durch Münchens Straßen. Die akrobatischen Einlagen der Moriskentänzer werden bejubelt, die Schäffler heiß erwartet von den Kindern – von deren Eltern vielleicht noch mehr, weil es ein netter Brauch ist, die Nasen der Kleinen mit schwarzem Ruß zu beschmieren. Des war scho oiwei so!
Die Trachtenvereine und Kapellen spielen und tanzen sich durch ihr breites Repertoire an Märschen und Volksgut, dazwischen die Fahnenschwinger und Goaßlschnalzler. Es macht halt echt was her, wie die Männer ihre Peitschen durch die Luft zischen und im harten „Gleichschnalz“ eine Rhythmusfolge entstehen lassen. Wenn man diese aber nur hört und nicht sieht, weil man sich schon zu den Fahrgeschäften durch die Menschenmassen auf die Festwiese durchschlägt, dann klingen die Peitschen wie Pistolenschüsse… Man zieht unweigerlich den Kopf ein, sucht hektisch den Blickkontakt mit den Kindern, die vor einem in der Menge treiben und hofft: „Bloß keine Massenpanik…“ Aber München hat sich bestens vorbereitet.
Parallel zur Wiesn findet ja am 03.10. auch noch das Fest der Einheit zwischen Odeonsplatz und Münchner Freiheit statt. Die Leopoldstraße wird gesperrt, der U-Bahnhof Universität von U 3 und U 6 nicht angefahren. Da wird es richtig voll in der Stadt….
Aber einstweilen ist die Hochburg des Bierkonsums unterhalb der Bavaria, schon mal durch drei Ringwälle gesichert, Zeltwachen und Polizisten säumen das Festgelände und eine Armada an medizinischen Hilfskräften ist bereit, die schlummernden Bierleichen aus der Menge zu schaffen..
Unsere Kinder beäugen das Ganze und ich erkläre: „Für die Leute ist das Fest gelaufen, Kinder. Wenn die wieder aufwachen, fühlen sie sich, als wären sie 150 x High Energy gefahren…“ und hoffe unsinnigerweise, dass dies als Erinnerung zur Abschreckung im Hinterstübchen haften bliebe.
Wir haben Glück und die Erwachsenen finden ein paar Plätze im völlig überfüllten Biergarten.
Mit zunehmenden Alter der Kinder wünschen wir uns vermehrt, dass wir unsere Vorbildfunktion in Punkto Alkohol gut ausgefüllt haben und dass sie auch in den nächsten Jahren nicht zu solch aufgezäumten, vampartigen, total betrunkenen „Wiesnkarnevalisten“ mutieren.
Echte Tracht ist wirklich schön. Selten bringt ein Kleidungsstück die weiblichen Formen derart gut zur Wirkung (oder kaschiert sie) und ein Mann in zünftiger Lederhosen mit gestifteltem Hemd ist einfach fesch. München befindet sich zur Wiesnzeit im Ausnahmezustand. Aber seid´s mir ned bös: Gar Mancher lernt´s nimmer! .Wie einem die Brüste aus den tiefen Ausschnitten der windigen, grell bunten Kurzdirndl schier entgegen springen und „dämlicher“ Alpenwahn mit Schleifchen und Rüschen verbrämt wird; Wenn „echte“, auf alt getrimmte Lederhosen aus Indien und China als Massenware importiert (und gekauft!) werden und Tische nur noch von reichen Geschäftsleuten zu maßlos überteuerten Preisen zu mieten sind – dann ist das einfach zu viel des Prosits!.

Auf dem Nachhauseweg beobachten wir zwei betrunkene junge Kerle. Der eine wird vom anderen am Sweatshirt bei den Schultern gehalten, um mit Mühen die Treppe zu meistern – er hat nahezu keine Kontrolle mehr über seinen Körper. Wir hören eine Mutter zu ihren jugendlichen Söhnen sagen: „ So einen Freund, Ihr Lieben, wünsche ich euch auch. – Falls es euch mal so schlecht geht, dann habt einen solch treuen Freund zur Seite, der euch nach Hause trägt. – Oder seid so schlau und ruft uns an, solange ihr noch beschreiben könnt wo ihr seid, damit wir euch einsammeln können.“ Dem ist auch für Mädchen nichts hinzuzufügen….

Na denn – Euch allen eine friedliche und fröhliche Wiesn!

© Enomys

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