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Ungeschminkt und Farbgeklecks

Früher war alles ganz leicht.

Es gab dicke, dreikantige Buntstifte mit „Grip“, dicke, pastellige Kreiden, rechteckige, glänzende Wachsmalkreiden und alte Zahnbürsten mitsamt einem Sieb für die wundervolle Spritztechnik.

Danach grapschten gierig mehr oder minder patschige Kinderfingerchen und unsere Süßen brachten, mit leicht vorgestreckter Zungenspitze, voll konzentriert, allerlei bunte Striche, Kreise und wunderbare neue Formen mit diesen Farben auf das Papier, Wände oder Pflaster- bzw. Terrassensteine.

Bei einigen Kritzeleien mussten wir Einhalt gebieten und eine gewisse Schadensbegrenzung auf dem jeweiligen Zeichnungsuntergrund und der Kinderseele betreiben.

Andere Kunstwerke erreichten den Sprung in die Haltbarkeit, weil sie von den begeisterten Eltern in Bilderrahmen gesteckt, in Mappen gesammelt oder per Photo archiviert wurden. Damit blieben sie für weniger kreative Schaffensperioden als Ansporn oder überhaupt für die Nachwelt erhalten.

Einige der Freiluft – Kreidebilder fielen einem plötzlichen Regenguss zum Opfer. Sie vermischten sich mit dem Wasser zu bunten Pfützchen und wir sahen gemeinsam zu, wie in bunten Rinnsalen, expressionistisch anmutende „Hottehüs“ zu schwimmenden Seepferdchen wurden und im Abflussgitter versanken.

Mit zunehmendem Alter bestimmten nach „Malen nach Zahlen“ plötzlich Glitter und Glitzerfarben für eine gewisse Zeit das künstlerische Gestalten. Sie wurden Fensterfarben und Klebstoff beigemengt, was tolle Effekte hervorbrachte. Das war schon mal prima, konnte aber noch getoppt werden! Alle verfügbaren Farbmittel und kreativen Ideen flossen nun in die Spiralbücher der „Top-Models“, um die spindeldürren Figurinen mit den übergroßen Köpfen zu verzieren.

Etwaiger „erwachsener“ Modelabel hätte mit dieser Ideenflut sämtliche Laufstege der Metropolen spielend erobert….

Wir Mütter können das ehrlich beurteilen, denn schließlich wurden wir selbst des Öfteren von unseren heranwachsenden Stylistinnen bebürstet, verkleidet, bepinselt und lackiert.

Wir spürten am eigenen Leib, was die bemitleidenswerten Models alles über sich ergehen lassen müssen, die aber wenigstens Geld dafür bekommen, wenn ihnen fast die Augen ausgestochen oder permanent an den Haaren gezogen wird.

Wir erhielten zwar keinen monetären Gewinn, aber wenn man sich selbst zwar eher als elektrisierte Vogelscheuche mit blauem Auge im Spiegel erkannte, die junge Künstlerin aber mit strahlenden Augen hauchte: „Mama….. Schön!“

– Ja dann nahmen wir diesen Zustand gerne mal hin als munteren Farbklecks im tristen Alltag.

Tja; Heutzutage nun sind die bunten Holzstifte dünn und mit Schutzkappen versehen.

Es gibt Bürsten in mannigfaltiger Form, Größe und poppigen Verpackungen. Statt Kreide sind pudrige Farbpartikel in kleine Döschen gepresst worden und eifern um die Gunst der Sprößlinge.

Der Verwendungszweck dieser Malutensilien ist allerdings ein klar anderer: Kinder verschönert euch selbst! So lautet die frohe Werbebotschaft. Aus den Kindern wurden Teenies.

Sie wurden mit High School Musical und Camp Rock musikalisch eingeführt in die bunte, jugendliche Disney Welt. Sie erlebten mit den schönen und begabten Heldinnen die Höhen und Tiefen amerikanischer Teenagerleben.

Die Mädels kauften sich vom eigenen Taschengeld die ersten Bravos und steckten ihre Nasen in Ratgeberbücher namens „Alles Mädchensache“, „Wie Jungs ticken“, „Verflixte Schönheit; Tipps für schlaue Mädchen.“ oder ähnliches. Danach haben sie unsere Schränke durchforstet, um sich mal schnell was auszuleihen und in unseren Badezimmerschränken Lidschatten, Kajal und Co. entdeckt. Wir haben unsere Lieblingsstücke standhaft verteidigt; Also zogen sie los und kauften sich © Enomys ihre Anziehsachen und die Schminke selbst. „Mama, darf ich heute mit der „hmhm“ shoppen gehen?“

Angespornt vom perfekten Aussehen der Jungstars aus Hollywood und den Grazien aus verschiedenen Castingshows Deutschlands, versuchen unsere nun kleinen „Großen“, es Ihnen gleich zu tun. Da wird der schwarze Kajal schon mal zum Kohlestift, um den Augen mehr als nur Schatten zu verleihen. Wimpern verkleben dank „lang anhaltendem Megaboost“ zu dicken, leicht nach oben gebogenen Spinnenbeinchen und das Oberlid erinnert an die bunten Pflastermalereien von früher.

Da wendet sich manch Vater mit Grausen und die Mutter zückt schwungvoll das Abschminktuch!

Aber auch wir wachsen mit der Herausforderung der Pubertät und lernen:

Ungeschminkt und Farbgeklecks wechseln einander ab. Ob auf dem Papier oder im Gesicht ist egal.

Nachdem die Süßen ihre ersten kosmetischen Übertreibungen gemacht und die entsprechenden Reaktionen ihrer direkten Umwelt zu spüren bekommen haben, merken sie bald: Weniger ist oftmals mehr! Seien Sie hoffnungsfroh!

Die Jugendlichen entwickeln in der Regel ihren eigenen Stil. Der ist mal mehr, mal weniger farbenfroh, hat aber – dank präziser Pinselführung – mit der Farbkleckserei von früher (hoffentlich!) nicht mehr viel zu tun.

© Enomys

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